Lea Eickhorst

Lea Eickhorst

Psychologische Beratung & Coaching

ADHS & Zyklus

ADHS und PMS: Wie Hormone die ADHS-Symptome beeinflussen

20.05.2026 | Lesedauer ca. 11 Minuten | von Lea Eickhorst

Viele betroffene Frauen* berichten von den schädlichen Auswirkungen einer späten oder verkannten ADHS-Diagnose. Viel weniger bekannt ist, wie die natürlichen Hormonschwankungen des Zyklus ADHS-Symptome beeinflussen und wie der Zusammenhang zu PMS/PMDS (PMS – prämenstruelles Syndrom und PMDS – prämenstruelle dysphorische Störung) ist. Viele Betroffene erleben jeden Monat dieselbe Achterbahn aus psychischen und körperlichen Symptomen und verstehen lange nicht, warum.

Aktuelle Studien bestätigen das: Der Zusammenhang zwischen ADHS und PMDS ist dabei besonders relevant. Frauen mit ADHS haben ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko für PMDS (Broughton 2025). In der Allgemeinbevölkerung sind etwa 5,5 % der Frauen und Personen, die bei der Geburt weiblich zugewiesen wurden (AFAB), im reproduktiven Alter von PMDS betroffen.

 Wie viele andere Bereiche der Frauengesundheit ist auch PMS/PMDS insgesamt untererforscht. Der Zusammenhang mit ADHS oder anderen Neurodivergenzen jedoch noch deutlich mehr. Die Forschung zur Verbindung mit Neurodivergenz steckt aber noch in den Anfängen. Erst im Jahre 2021 wurde die erste größere empirische Studie (Dorani 2021) zu dem Zusammenhang von PMS und ADHS veröffentlicht. Wie Hormonschwankungen andere Neurodivergenzen beeinflussen, wurde bisher noch weniger untersucht.

Dieser Artikel fokussiert sich auf ADHS und den Einfluss von Hormonschwankungen auf ADHS-Symptome und PMS/PMDS, da es hierzu zurzeit die meisten Informationen gibt.

„Es ist, als wäre ich zwei unterschiedliche Personen.“

Viele Betroffene von PMS/PMDS erleben die Zeit ihres Zyklus, als wären sie zwei unterschiedliche Personen. Die erste Zyklushälfte wird als stabiler erlebt. Stimmung, Motivation, Selbstbild und ADHS-Symptome sind auf einem Level, mit dem umgegangen werden kann. Die Herausforderungen des Lebens werden als machbar angesehen, es besteht eine höhere Resilienz.

Dann kommt die zweite Hälfte des Zyklus (Lutealphase) und alles kann sich grundlegend ändern. ADHS-Symptome verschlechtern sich und die ADHS‑Medikation (Dorani 2021) wirkt auf einmal nicht mehr so gut. 
Depressive Symptome und Angstzustände können auftauchen. Emotionale Reaktionen werden intensiver, Kleinigkeiten können einen aus der Fassung bringen, man reagiert empfindlicher auf Ablehnung oder Kritik.
Ein niedriges Selbstwertgefühl, Selbsthass und Selbstabwertung gehen damit einher.

Oft entstehen genau in dieser Zeit Konflikte mit Partnern, Familie oder Freunden. Termine werden abgesagt und man zieht sich zurück, isoliert sich.

Körperliche Symptome wie Erschöpfung, Schlafstörungen, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen oder Migräne können dazukommen. Je nach Intensität und Ausmaß der Symptome spricht man von PMS oder PMDS.

Das eine sind die körperlichen und psychischen Symptome, mit denen man umgehen muss. Das andere ist zusätzlich, dass man möglicherweise gar nicht versteht, was da mit einem passiert. Wer ist man denn wirklich? Die in der ersten Hälfte oder die in der zweiten?

Es kann Jahre dauern, bis ein Zusammenhang zwischen der hormonellen Veränderung des Zyklus und der Veränderung in Stimmung und Gemüt gezogen und ernst genommen wird.

PMDS kann gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten oder mit ihnen verwechselt werden. Durch die starken Stimmungsschwankungen wird manchmal zunächst an Depressionen oder bipolare Störungen gedacht. Denn welche Erklärung gibt es dafür, dass man sich so unterschiedlich fühlt? Vielleicht bildet man es sich doch nur ein oder man übertreibt, denn wenn eine Verbesserung des Zustands eintritt, passiert das meistens von einem auf den anderen Tag, nämlich mit Einsetzen der Periode.
Erschwerend kommt hinzu, dass bestehende psychische Erkrankungen sich prämenstruell verschlechtern können. Ein Phänomen, das als prämenstruelle Exazerbation (PME) bezeichnet wird.

PMDS kann nicht nur sehr belastend sein, es kann in schweren Fällen auch ernsthaft gefährlich sein. Einer Studie zufolge unternimmt einer von drei Menschen mit PMDS mindestens einmal einen Suizidversuch (Eisenlohr-Moul et al. 2022). Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung von PMDS kann also auch suizidpräventiv relevant sein.

Wenn dich diese Symptome stark belasten und du an einen Punkt kommst, an dem du nicht mehr weiterweißt, nimm das bitte ernst und hole dir Hilfe. Die Telefonseelsorge ist kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar – unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123. Weitere Kontaktmöglichkeiten findest du auf  www.telefonseelsorge.de

PMS und PMDS – Was ist der Unterschied?

Aktuelle Forschungsergebnisse (Haußmann 2024) deuten darauf hin, dass PMS und PMDS durch eine erhöhte Sensitivität des Gehirns gegenüber den normalen Hormonschwankungen des Zyklus entstehen, nicht durch einen Hormonmangel oder ‑überschuss. Hormonelle Faktoren sind aber abschließend nicht vollständig geklärt.

Die Forschungslage zu PMS/PMDS hat sich in den vergangenen Jahren verbessert und vielen Menschen ist es mittlerweile geläufig. Es beschreibt körperliche und psychische Symptome in der Woche vor der Periode, z. B. Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Blähungen, Brustspannen, Reizbarkeit oder Schlafstörungen. Etwas, was die meisten menstruierenden Personen kennen und was mehr oder weniger beeinträchtigend im Alltag sein kann. Diese Symptome können von Person zu Person sehr unterschiedlich auftreten und monatsweise in Intensität und Ausmaß variieren.

Wenn diese Symptome in einer besonders schweren Form auftreten und den Alltag, die Arbeit oder Beziehungen erheblich beeinträchtigen, spricht man von PMDS. Es ist eine zyklische Stimmungsstörung, das Gehirn und das Nervensystem reagieren besonders sensibel auf natürliche Hormonschwankungen des Menstruationszyklus. Die Beschwerden sind nicht rein psychologisch.

ADHS und Zyklus: Wie Östrogen das ADHS-Nervensystem beeinflusst

Was bedeutet das für das ADHS-Nervensystem? Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter und regelt Fokus und Antrieb in unserem Körper. Ein ADHS-Nervensystem produziert und reguliert Dopamin anders als ein neurotypisches.

Östrogen und Dopamin stehen in engem Zusammenhang. Mit einem hohen Östrogenspiegel können bei vielen Personen auch eine gesteigerte Stimmung, Motivation und kognitive Funktion einhergehen. Kurz vor dem Eisprung ist das Östrogen am höchsten, wodurch sich viele Frauen dann besonders gut und zufrieden mit sich fühlen. Sie haben viel Energie, sind gesellig und ADHS-Symptome können schwächer ausgeprägt bis kaum merklich sein.

Nach dem Eisprung sinkt das Östrogen stark ab und es kann zum ersten kleinen Einbruch kommen. Ein bis zwei Tage kann eine leichte PMS-Symptomatik auftreten, die dann etwas verschwindet, weil das Östrogen wieder leicht ansteigt. Etwa eine Woche vor der Periode beginnt das Östrogen, stark abzusinken, und PMS-/PMDS-Symptome verstärken sich. Es kann sich aber auch wie ein stetiger Abbau von Stimmung und körperlicher Verfassung anfühlen, der seinen Höhepunkt vor der Periode hat und meistens mit Einsetzen der Periode aufhört.

Veränderungen im Östrogenspiegel können sich auf den Dopaminhaushalt auswirken. Für ein neurotypisches Nervensystem mit einem ausgeglichenen Dopaminhaushalt ist das meistens besser zu verkraften oder auszugleichen. Für ein ADHS-Nervensystem mit einem ineffizienten Dopamin-System dagegen können sich die Folgen viel stärker auswirken. ADHS-Symptome verstärken sich, Unaufmerksamkeit und Konzentrationsprobleme nehmen zu, die Emotionsregulation verschlechtert sich. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Erschöpfung nehmen zu.

In der Lutealphase kann mehr Impulsivität oder ein stärkeres Bedürfnis nach schneller Stimulation auftreten. Zum Beispiel durch Impulskäufe, riskante Entscheidungen oder übermäßiges Scrollen. Das könnte erklären, warum manche Betroffene in dieser Zyklusphase impulsiver handeln oder verstärkt Heißhunger erleben.

Warum der Östrogenrückgang entscheidend ist – nicht der Spiegel

Forschungsergebnisse deuten darauf hin (Eng 2024), dass der Rückgang von Östrogen und nicht die absolute Menge im Körper für PMS/PMDS und die Verschlimmerung der ADHS-Symptome ausschlaggebend ist. Auch das Zusammenspiel mit Progesteron kann eine Rolle spielen.

Das ADHS-Nervensystem reagiert also stark auf die Veränderung der Hormone, nicht auf den absoluten Spiegel. Dies ist entscheidend, denn möglicherweise ist auch medizinischem Fachpersonal dieser Aspekt nicht bewusst und bewertet den Östrogenspiegel als „in Ordnung“, weil nicht klar ist, dass es um den Rückgang von Östrogen und nicht die Höhe des Östrogenspiegels geht. Das hat direkte Konsequenzen für die medizinische Versorgung.

Betroffene berichten über starke PMS/PMDS- und ADHS-Symptome, stoßen aber möglicherweise auf Unverständnis, da ihre Blutwerte als „normal“ gelten. Im besten Fall bekommt man die Rückmeldung, dass einem nicht geholfen werden kann oder man die Pille nehmen solle (nicht alle hormonellen Verhütungsmittel sind bei PMDS hilfreich, manche können Symptome sogar verschlechtern). Im schlimmsten Fall wird suggeriert, dass man es sich einbildet, übertreibt oder psychische Ursachen der Grund für die Beschwerden seien.

Aber starke Veränderungen während des Zyklus in Stimmung, Wohlbefinden und ADHS-Symptomatik sind real, nicht ausgedacht, und können sehr belastend sein.

Warum das so selten erkannt wird

Die Periode ist in vielen Bereichen und Kulturen leider immer noch ein Tabuthema. Periodenscham ist ein reales Phänomen. Sie verhindert Aufklärung zu Themen wie PMS und damit auch, dass Betroffene Hilfe bekommen. Erst seit einigen Jahren ist das Thema PMS gesellschaftlich sichtbarer geworden. Der Zusammenhang zwischen Neurodivergenz und PMS ist noch sehr unbekannt. Bei PMDS fehlt es noch viel mehr an Aufklärung.

So ist PMDS zum Beispiel keine offizielle Diagnose im ICD‑10 (das internationale Diagnosesystem der WHO, 10. Version). Im ICD-11 (11. Version) wurde dies nachgeholt und aufgenommen. Die ICD‑11 ist seit 2019 verabschiedet, aber noch nicht überall eingeführt. Im DSM‑5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, amerikanisches Pendant zum ICD) hingegen ist es schon seit 2013 eine offizielle Diagnose.
Dies kann dazu beitragen, dass PMDS bei medizinischem Fachpersonal wenig bekannt ist und damit auch, wie es erkannt und behandelt werden kann. Wie in den vielen Bereichen der Frauengesundheit (z. B. Endometriose, Menopause, Herzinfarktsymptome etc.) gibt es auch ein enormes Defizit an Aufklärung, Versorgung und Forschung.

Nach wie vor werden Frauen und ihre Beschwerden im allgemeinen medizinischen Kontext und besonders bei PMS/PMDD nicht ernst genug genommen. Fehldiagnosen, Medical Gaslighting (das Abtun oder Kleinreden von Beschwerden durch medizinisches Fachpersonal) und erschwerter Zugang zu Behandlungen durch hohe Kosten, Entfernungen oder fehlendes Fachwissen des medizinischen Personals machen den Weg zur Behandlung und Linderung der Symptome meistens sehr lang und mühsam. Betroffene durchlaufen eine diagnostische Odyssee. Eine internationale Studie (Mosalisa & Roomaney, 2026) mit Frauen aus neun Ländern zeigt, dass diese Erfahrung global auftritt, unabhängig vom jeweiligen Gesundheitssystem.

Eine PMDS-Diagnose kann auf der psychischen Ebene, ähnlich wie eine ADHS-Diagnose, sehr erleichternd und bestätigend sein. Rückblickend wird verstanden, was mit einem los ist, und Selbstkritik kann Selbstmitgefühl weichen. Zum anderen kann mit einer Diagnose gezielter nach Behandlungsmöglichkeiten und Fachleuten gesucht werden, die einem auf Augenhöhe begegnen.

Was kann helfen?

Jede Person erlebt prämenstruelle Symptome anders und sie können von Monat zu Monat variieren und unterschiedlich sein. Alter, Stress und Lebensumstände können die Symptome verändern.
Da es sich um ein relativ neues medizinisches Feld handelt, sind die aussagekräftigen wissenschaftlichen Ergebnisse und Untersuchungen für die Behandlung leider begrenzt. Es gibt keine „One-fits-all“-Lösung und Betroffene müssen sich auf den Weg der Erkundung machen, um die für sie richtige Lösung zu finden.

Den Zyklus verstehen und Symptome erkennen – Zyklus-Tracking

Eines der wichtigsten Werkzeuge, um den ADHS-Zyklus-Zusammenhang zwischen hormonellen Veränderungen und dem Auftreten von Symptomen zu verstehen, ist, seinen Zyklus und die Symptome zu tracken. Wenn man weiß, wann man in welcher Zyklusphase ist, kann man seinen Alltag danach planen. Z. B. Termine oder Aktivitäten in die erste Zyklushälfte legen oder sich auf die Lutealphase vorbereiten. Ein Beispiel für eine Tracking-App ist die Clue-App.

Körperliche Grundlagen stärken:

Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung können PMS-Symptome unterstützend lindern. Bei PMDS sind sie allein jedoch meist nicht ausreichend.

Prämenstruelle Beschwerden können auch durch Schilddrüsenprobleme, oder Vitamin- und Mineralstoffmangel bedingt werden. Deswegen ist es sinnvoll, Blutwerte wie Eisen, B-Vitamine, Vitamin D oder Schilddrüsenwerte prüfen zu lassen. Meistens werden diese Werte von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Eine Supplementierung mit unterschiedlichen Mineralien, wie Magnesium, kann sinnvoll sein.  

Psychologische und soziale Unterstützung

Therapien (z. B. kognitive Verhaltenstherapie), Coaching oder Beratung können dabei helfen, mit emotionalen Symptomen umzugehen und die richtigen Lebensstiländerungen für sich zu finden und im Alltag einzubauen. Hier ist es wichtig, dass die beratende Person sich mit Neurodivergenz auskennt und diese versteht und Kenntnisse zu PMS/PMDS hat.

Austausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel in der englischsprachigen Reddit-Community r/PMDDXADHD, kann ebenfalls hilfreich sein.

Wenn du herausfinden möchtest, wie du deinen Alltag besser auf deinen Zyklus abstimmen kannst, und dir Unterstützung wünscht, helfe ich dir gerne dabei. Buche ein kostenloses Erstgespräch.

Bei schweren PMDS-Symptomen

Solltest du unter schweren PMDS-Symptomen leiden, werden Ernährung, Sport und Supplements vermutlich nicht ausreichend helfen. Es gibt medizinische Behandlungsmöglichkeiten, z. B. Antidepressiva (SSRI), bestimmte hormonelle Verhütungsmittel oder Dosierungsänderungen von ADHS-Medikamenten. Diese Optionen gehören in ärztliche Behandlung und sollten nicht eigenständig ausprobiert werden. Wende dich dafür an medizinisches Fachpersonal. Falls du bisher keine Anlaufstelle hast, kannst du in diesem Verzeichnis Fachleute finden. In der Praxis sind es selten einzelne Maßnahmen, sondern die Kombination mehrerer Ansätze, die eine spürbare Entlastung bringen kann.

Unter diesem Link findest du eine Übersicht von evidenzbasierten Behandlungsmöglichkeiten. Die Seite ist auf Englisch und stammt von IAPMD (International Association for Premenstrual Disorders)

Zum Schluss ist mir noch wichtig zu sagen: Du bist nicht allein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie belastend PMDS ist. Nicht nur der Umgang mit den Symptomen und den damit einhergehenden Selbstzweifeln, ob man es sich nicht doch einbildet und übertreibt. Sondern auch der mühsame Weg, überhaupt eine Möglichkeit, eine adäquate Behandlung zu finden. Auch wenn der Weg oft lang ist und es viel Ausprobieren, Geduld und Ausdauer erfordert, Linderung und eine verbesserung der Lebensqualität ist möglich.

 * Die Begriffe „Frau“ und „weiblich“ beziehen sich in diesem Artikel auf Personen, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde (AFAB). Gemeint sind alle menstruierenden Personen bzw. Menschen, die von hormonellen Zyklusschwankungen betroffen sind. 

Nach oben scrollen